Choose from:

Virgin Records Publicity Material

German translation of Chris Hall's review of the Nov. 8th, 1997 Crocodile Cafe Concert, translated by Franz-Josef Lortz.

Articles from WOM Journal

Interviews

"Nighttown" Reviews

"Devil's Road" Reviews

Chris & Carla Review


From the Virgin site:

Interview mit den Walkabouts

Ihr seid also die Walkabouts? Was meint ihr denn damit?
Chris: Oh - Du meinst mit unserem Namen? Der kommt von einem Filmtitel. Das war ein Film aus den Siebzigern der "Walkabout" hieß. Es war der erste Film von einem Regisseur namens Nicholas Rogue. Und... - das ist die intelligente Antwort. Die Wahrheit ist, daß wir keine Ahnung hatten, um was es in dem Film geht. Wir hatten nur den Namen auf einem Plakat gesehen und uns gesagt: "O.k., das ist unser Bandname!" Wie bei den meisten Bands kamen auch wir völlig überstürzt mit Vorschlägen für Bandnamen daher und diskutierten dann wochenlang darüber. Und dann hatten wir natürlich irgendwann einen Gig und haben einfach gesagt: "O.k., wir müssen jetzt einen Namen haben!"
Carla: Außerdem war es ein australischer Film und es gab zu der Zeit ein australische Band namens "The Gobetweens", die wir sehr mochten. Und da dachten wir uns "The Walkabouts" klingt so ähnlich, das ist doch gut.

Also, ihr habt den Namen gewählt, weil er gut klang?
Chris: Ja, naja, das stimmt schon. Er bedeutete uns nicht so viel. Aber ich finde, es ist ein idealer Name, denn wenn man sich zum Beispiel "The Loud Guitars" oder so nennt und dann plötzlich leise Folk Music macht, denn wird der Name unsinnig. Wir wollten immer einen Namen haben, der so allgemein ist, daß wir immer verschiedene Musikstile machen können.

Wie habt ihr denn die letzte Woche verbracht?
Carla: Am Montag und Dienstag haben wir angefangen an unserem Video zu arbeiten. Von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, denn wir wollten nachts draußen filmen. Weil die meisten Songs auf unserem Album "Nighttown" etwas mit Nacht zu tun haben, wollten wir ein Video machen, daß daran erinnert. Gedreht haben wir zu Hause in Seattle. Am Mittwoch früh waren wir dann fertig, haben zum Schluß noch ein Band-Meeting gemacht und am Donnerstag sind Chris und ich nach Chicago geflogen, wo wir endlich mal ein paar Tage frei hatten. Wir haben da ein paar Freunde besucht und sind dann am Sonntag hierhergekommen.

Wann habt ihr eigentlich angefangen, als die "Walkabouts" Musik zu machen? Und wie habt ihr euch zusammengefunden?
Carla: Oh, das ist jetzt schon so 12 Jahre her. Ich glaube es war 1984. Chris und ich haben uns in Alaska, in eine Fischkonservenfabrik, kennengelernt. Er hat mich mit einer Gitarre aus dem kleinen Flugzeug aussteigen sehen und hat sich gleich auf mich gestürzt, weil er auch seine Gitarre da hatte. Und dann haben wir angefangen, da oben Musik zu machen. Es stellte sich dann heraus, daß wir beide auf selbe College gingen. Also haben wir gewartet bis wir beide mit dem College fertig waren und haben dann zusammen mit seinen anderen zwei Brüdern eine Band gegründet. Später ist dann einer von Chris Brüdern wieder ausgestiegen und Michael Wells ist statt dessen zu uns gekommen, der dann 11 Jahre mit uns gespielt hat bis er letzten Herbst die Band verließ. Jetzt haben wir einen neuen Bassisten, Baker.

Warum ist Michael denn gegangen?
Carla: Oh, ich glaube, wenn du 11 Jahre mit jemandem zusammen warst, dann ist es manchmal Zeit auch einmal wieder mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Michael hatte noch eine andere Band und wollte mehr Funk Music machen. Wir sind in großer Freundschaft auseinandergegangen.

Wahrscheinlich verbringt ihr viel Zeit unterwegs?
Chris: Ja, wir sind viel auf Tour und spielen Shows. Ich glaube vier, fünf Monate im Jahr. So die letzten fünf Jahre waren wir sicher so viel unterwegs. Und dann gibt's noch eine Menge anderer Sache wie Pressereisen oder, wenn wir ein Platte wo anders aufnehmen. Unsere letzte Platte vor "Nighttown" zum Beispiel, "Devils Road", haben wir in Deutschland, London und Polen aufgenommen. Da waren wir natürlich auch die ganze Zeit weg von zu Hause. Also wir sind schon ganz schön rumgekommen. Ich glaube, wir sind im Endeffekt ungefähr sechs Monate im Jahr unterwegs und sechs zu Hause. So Halbe/Halbe.

Reist ihr gern so viel herum?
Chris: Nun, es hat Vorteile, aber je älter du wirst, desto mehr bleibst du auch mal ganz gern zu Hause. Ich glaube, es gibt so Dinge, die man vorher nicht so wahrgenommen hat. Die einem jetzt wichtiger erscheinen. Natürlich, als ich noch jünger war, sagen wir vor sechs, sieben Jahren, wäre ich am liebsten die ganze Zeit von zu Hause weggeblieben, wenn ich nur gekonnt hätte. Aber wenn man älter wird, werden so Sachen wie Familie und Freunde doch ein bißchen wichtiger für einen. Aber wir haben ja auch auf der ganzen Welt Freunde. Irgendwie ist also, wenn wir auf Tour gehen, auch eine Chance für uns, eine Menge anderer Freunde wiederzusehen.

Habt ihr denn das Gefühl, daß ihr die Orte, durch die ihr kommt, wirklich kennenlernt oder eher, daß ihr immer nur bei der Plattenfirma oder einem Auftrittsort herumhängt?
Carla: Ich glaube, nachdem man fünf oder sechsmal in einer Stadt war und mal da, mal da war, sammelt sich das alles und man bekommt ein recht gutes Bild von der Stadt. Wir haben so eine Menge über Europa gelernt. Wir waren in 14 Ländern und sehen diese Städte und Ort zu verschiedenen Jahreszeiten. Wir waren in Oslo, in Norwegen, im Winter, und haben gesehen, wie die Menschen dort leben, wenn der Himmel die meiste Zeit ziemlich düster ist und überall Schnee liegt. Und wir waren auch in Athen, als es dort schneite. Wir kriegen schon eine ziemlich gute Vorstellung davon, wie die Leute leben. Und dann haben wir eben noch überall Freunde. Wir sind ja schon seit 1990 in Europa unterwegs und manche dieser Freude stehen uns wirklich sehr nahe. Wir können viel mehr von ihnen lernen, als wenn wir in jedem Land die Zeitung lesen würden.

Wir könnt ihr denn Freunde finden, wenn ihr dauern weitermüßt?
Chris: (grinst) Oh, wir engagieren sie. Dann kommen sie mit uns auf Tour. Wir reisen mit 45 Leuten. Jeder hat vier Freunde, die mitkommen, ha, ha. Nein, ich mach nur Spaß.
Aber naja, bis zu einem gewissen Grade ist das wahr. Unser Tour Manager zum Beispiel, mit dem arbeiten wir seit 1990 zusammen und ich halte ihn wirklich für einen meiner besten Freunde auf der Welt. Wir kennen seine ganze Familie. Ich meine, wie Carla gesagt hat, wenn man fünf, sechs mal in eine Stadt kommt und zwischendurch auch mal frei hat, lernt man schon ein paar Leute kennen. Trotzdem ist es irgendwie ein komisches Leben, keine Frage. Es ist nicht so, wie die meisten Menschen leben, sicherlich.
Die Welt ist für uns irgendwie auch sehr klein. Noch vor sechs, sieben Jahren kam mir die Welt viel größer vor, aber jetzt ist es keine große Sache mehr für mich, in ein Flugzeug zu steigen und nach Europa zu kommen. Ich finde das gut, weil mehr Kommunikation stattfindet und sie immer leichter wird, in einer Gesellschaft mit Email und Webseiten und all dem Kram. Die Welt wird immer kleiner. Das Schlechte daran ist, daß wir der ganzen Information irgendwie gar nicht mehr entkommen können. Es ist fast zuviel. Aber auf der anderen Seite verschwinden Dinge wie "Amerikaner-sein" oder "Deutscher-sein"" immer mehr. Dinge, die früher zu vielen Problemen geführt haben. Oder auch, daß jeder immer der Allerwichtigste auf der Welt sein mußte. Die Menschen sehen sich gegenseitig irgendwie mehr und mehr als Teil dieser einen Welt. Und ich glaube, das wird auch immer wahrer. Ich glaube, so Dinge wie das Internet werden das wirklich vorantreiben. Du kannst online gehen und jemandem auf der anderen Seite der Erde eine Email schreiben und in fünf Minuten ist sie da.

Die meisten Leute denken bei dem Stichwort "Seattle" an irgendwelche Grunge-Bands. Was findet denn ihr, ist typisch für Seattle?
Carla: Wie in den meisten Städten würde ich sagen, daß das, was mehr außerhalb der Medien stattfindet, eher der Realität entspricht. Die Grungrock-Bands bekamen in den Medien viel Echo, aber das war nicht das, was in Seattle eigentlich abging. Es gab da immer schon Bands wie die Walkabouts und andere, mehr County-beeinflußte Bands. Endlich ist diese Grunge-Periode in Seattle vorbei. Es versucht nicht mehr jeder, Mudhoney oder Nirvana zu imitieren. Dadurch wird es wieder interessanter. Die Leute bringen wieder seltsame Instrumente mit ein. Akkordeons, Keyboards kommen wieder auf, Geigen, Kongas, Marimbas...
Chris: In den frühen Neunzigern oder späten Achzigern waren wir praktisch die einzige populäre Band aus Seattle, die Keyboards benutzten. Mit Grunge war das so eine Sache. Jeder lebte und starb für Gitarren. Jetzt gibt es eine Supergruppe in Seattle, in der einer von den "Screaming Trees" ist, einer von "Pearl Jam", Peter Buck von "REM" und lauter so Leute. Es ist ein neues Projekt namens Tuatora und die spielen fast Weltmusik. Also so seltsame Instrumentalmusik. Das sind Leute genau mit diesem Rock und Grunge-Hintergrund und machen jetzt so was ganz anderes. Ich finde das echt cool. Es ist Zeit für Ver„nderungen und mehr Offenheit.

Wenn man sich so eure Photos anschaut, sieht man, daß alle Farben irgendwie düster sind. Auch das, was ihr anhabt. Steht ihr auf dunkle Farben?
Chris: Beim nächsten Album wird alles rosa und gelb und hellgrün und wir nennen es "Spring Time" - Naja, also, ich meine unser aktuelles Album heißt ja schließlich "Nighttown". Es handelt von der Nacht und von Städten bei Nacht. Da passen diesen dunklen Farben natürlich gut dazu.
Aber es stimmt schon. Wenn du uns die Straße heruntergehen siehst, haben wir wahrscheinlich auch was schwarzes an. Wir laufen nicht so gern in bunten Klamotten rum. Schau dir dieses Bild an: Das sind wir. Alle in schwarzem Leder (lacht). So sind wir halt. Und irgendwie ist dieses Album auch eine Studie über Schatten, schummrig beleuchtete Zimmer und all diese Sachen. Das Gefühl, daß du am Ende einer Nacht an einer Bar hast, wenn keiner mehr da ist und du der einzige, der übriggeblieben ist. Ich weiß nicht warum. Ich meine, es gibt Leute, die helle Farben mögen, manche Maler zum Beispiel wie Matisse. Und andere eben nicht.
Carla: Wir mögen halt auch die Vieldeutigkeit, die Unklarheit, wenn man nicht alles so genau sieht. Ich glaube, wir sind Leute, die lieber bis zwei Uhr morgens aufbleiben, statt früh aufzustehen wie die meisten Leute. In Amerika stehen die Leute im Durchschnitt um sechs Uhr morgens auf, damit sie um acht bei der Arbeit sind und so. Wir sind lieber Musiker und arbeiten bis um zwei Uhr früh.

Interview exklusiv für Virgin Music City!



Für The Walkabouts war 1996 das Jahr der Veränderungen. Zunächst veröffentlichten sie mit "Devil´s Road" ihr erstes Album bei Virgin und arbeiteten damit weiter an jener allumfassenden Vision mit beinahe epischen Ausmaßen, die schon immer in ihrer Musik präsent war. Die Produktion von Victor Van Vugt (Nick Cave, Luna, Beth Orton) zeichnete dank des Warschauer Philharmonieorchesters für Strukturen verantwortlich, die ein ganz neues Kapitel in der Bandgeschichte einläuteten. "Devil´s Road" geriet zu einer Entdeckungsreise in bislang unbekannte Gefilde. Außerdem verabschiedete sich der langjährige Bassist Michael Wells, der fortan eigene musikalische Wege beschreiten wollte und wurde durch Baker, bestens bekannt durch seine Arbeit mit den ebenfalls aus Seattle stammenden Mad Seasons, ersetzt.

1997 setzen sich diese Veränderungen mit dem neuen Walkabouts-Album "Nighttown" fort. Wenn "Devil´s Road" der erste Schritt in ein neues Gebiet war, dann bewegt sich "Nighttown" geradewegs in bisher unbekannte Territorien. Früher ging es in den Songs der Walkabouts vornehmlich um die ländlichen Regionen Amerikas, wo die Grenzen zwischen Haben und Nichthaben zumeist sehr verschwommen sind. Mit "Nighttown" haben sie sich in einer Reihe von Songs, die miteinander in enger Verbindung stehen, erstmals in die Großstadt zu ihrer dunkelsten Stunde vorgewagt.

Chris Eckman (vox, guitar, piano): "In gewisser Weise ist dabei ein Konzeptalbum entstanden, das allerdings wenig mit einer pompösen Rockoper zu tun hat. Alle Songs handeln von der Stadt bei Nacht, eine Art From-Dusk-Till-Dawn-Songzyklus also." Dieses Thema spiegelt sich in der Musik wieder, angefangen bei den dunklen ominösen Klängen von "Follow Me An Angel" und "Nightbirds" bis hin zu der Leichtigkeit von "Lift Your Burdens Up" und "Tremble (Goes The Night)".

"Wir wollten eine urbane Platte machen, alle Songs erzählen Geschichten aus der Großstadt und wir haben mit neuen Strukturen wie zum Beispiel Drum Loops experimentiert. Manche der Songs wurden aus einer rein rhythmischen Perspektive geschrieben, was für uns etwas völlig Neues ist. Da wird Terri Moellers (drums) Einfluß spürbar. Das Ganze ist keine Revolution, sondern einfach ein anderer Blickwinkel. Wir haben diverse alte Synthesizer verwendet und ich spiele zum ersten Mal Klavier bei drei Songs, genau wie Carla Torgerson (vox, guitar, noises)."
Die Saiteninstrumente tauchen in fast jedem Song auf und wurden wieder von Mark Nichols, der auch an "Devil´s Road" beteiligt war, und Glenn Slater (keyboards) arrangiert. Dazu Chris Eckman: "Mit 'Nighttown' haben wir ein harmonisches Ganzes geschaffen, das in völligem Gegensatz zu den üblichen Orchestereinlagen steht, die einfach den Rocksongs angekoppelt werden."

The Walkabouts sind ein seltsames Phänomen, eine Band nämlich, die sich weiterentwickelt hat, die gewachsen ist und sich weigert, auf der Stelle zu treten. Mit jeder Platte sind The Walkabouts stärker und selbstbewußter geworden. Risiken einzugehen ist für sie zum Lebensgefühl geworden und die neue CD bildet hier keine Ausnahme. Realistisch und sehr lebendig erzählt das Album auf seine ganz besondere Art von finsteren, lichtlosen Orten und vom Leben auf den Bürgersteigen und Hinterhöfen Amerikas.

Eine ausgiebige Tour der Walkabouts ist für den Herbst geplant.


From the Virgin Web Site (1996):

Biographie: The Walkabouts

Wenn der Vater die scharfe Eindringlichkeit und Elektrizität des Punkrock ist, die Mutter die sanfte akustische Raffinesse von Folk und Country und der Taufpate das traditionelle Songwritertum - dann kann das Kind nur einen Namen haben: The Walkabouts. Die Musik der Band scheint förmlich aus dem Schatten einer dunklen und einsamen Landstraße hervorzukriechen, um den Zuhörer von dieser Straße wegzudrängen und in das Dickicht des Schattens hineinzuziehen, während sein Ohr sich mit einprägsamen Liedern, ungewöhnlicher Instrumentierung und kummervollen Bekenntnissen füllt. Die Musik der Walkabouts kommt aus den Eingeweiden eines fremden und authentischen Amerikas, das nur für den sichtbar sein wird, der wirklich genau hinsieht. Der Musikjournalist Everett True (Melody Maker) fand höchst treffende Worte, als er schrieb: "Den Walkabouts sind handwerkliches Können, Stil, Cowboyhüte und.. Giant Sand wichtig. Sie singen über Tote, die Heilungskräfte des Whiskys und verfaulende Bäume. Über Gefühlsballast, das Leben im allgemeinen, Amerika, die schweren Brüder der Geschichte und darüber, ob die Menschen überhaupt noch Träume wollen..".

The Walkabouts fanden sich 1984 in dem für Musiker bekanntlich höchst fruchtbaren Klima von Seattle. Gründungsmitglieder waren Chris Eckman, Carla Torgerson und die beiden jüngeren von Chris, Grant und Curt. Die Eckman-Brüder hatten während ihrer College-Zeit in verschiedenen Punk- und Popgruppen gespielt, während Carlas Hintergrund die Folk- und Straßenmusik war. Zwei sich anscheinend ausschließende Musikstile kreuzten sich so zu einem Experiment, das bis heute das Wesen der Band ausmacht. Die Zusammensetzung der Gruppe wechselte im Laufe der Jahre. Carla und Chris wurden unterstützt von Michael Wells und Glenn Slater, sowie seit neustem der Schlagzeugerin Terri Moeller.

Nach sechs Jahren Zusammenarbeit mit dem legendären Indie-Label Sub Pop schlossen die Walkabouts 1995 einen Vertrag mit Virgin Records ab. Im August zog sich die Band in das Plattenstudio Conny Plank in der Nähe von Köln zurück, in dem schon Gruppen wie Kraftwerk, Brian Eno, Devo oder Can schöpferisch tätig gewesen waren.

"Devil's Road", das aus dieser entstandene neue Album, wurde von dem Australier Victor Van Vugt produziert, zu dessen "Klienten" zum Beispiel Nick Cave& The Bad Seeds, Ex-Go-Betweens Robert Forster und Luna, die New Yorker Mood-Rocker, gehören. "Devil's Road" ist ein wichtiger musikalischer Schritt für die Walkabouts und enthält unter anderem sechs Songs, bei denen das Warschauer Philharmonieorchester die Hintergrundmusik lieferte. Die mitreißenden Streichinstrument-Arrangements wurden von Mark Nichols komponiert, der bereits zu früheren Alben der Gruppe zwei Songs beigesteuert hatte. Andere Gäste bei "Devil's Road" sind Dickon von den Tindersticks an der Geige sowie David Immergluk (Cracker, John Hiatt) mit seiner Pedal Steel-Gitarre.

In "Devil's Road" vereinen sich ehrgeiziges musikalisches Können in der Tradition von "Forever Changes"" (Love) und "Paris 1919" (John Cale) mit Rock and Roll, West Coast Blues und Einflüssen aus der Country-Musik, jenen Musikstilen also, in denen die Walkabouts zu Hause sind. In dem Album erreichen diese musikalischen Überzeugungen der Band einen neuen Höhepunkt, und die Songs stehen dem in nichts nach. Bei den Walkabouts war es ja schon immer so, daß die puren Songs eigentlich im Mittelpunkt standen. Chris Nickson wies einmal genau darauf hin, als er im "Seattle Rocket" schrieb: "Die Walkabouts spielen keine grandiosen Soli, sondern alles wird den Songs untergeordnet. Wenn also die Gitarre brennt oder eine Lap-Steel weint, so soll das nur das Feuer des Songs als Gesamtheit schüren."

Carla Torgerson - Gesang, akustische und elektrische Gitarre, Cello Glenn Slater - Orgel, Piano, Geräusche, Akkordeon Michael Wells - elektrischer Bass, Harmonika, Hintergrundgesang Terri Möeller - Schlagzeug und Percussion, Hintergrundgesang Chris Eckman - Gesang, akustische und elektrische Gitarre, Lieder

1984
Gründung der Band in Seattle durch Carla Torgerson (Gesang, Gitarre), Chris Eckmam (Gesang, Gitarre) und Grant Eckm (Schlagzeug).

1988
Das erste Album "See Beautiful Rattlesnake Gardens" kommt auf den Markt.

1989
Die Walkabouts schließen einen weltweiten Vertrag mit Sub Pop Records und ver- öffentlichen das Album "Cataract". Dieses Album erntet bei der Musikkritik großes Lob, das Spin Magazine nimmt es sogar in die Liste der Top-50-Alben der 80er Jahre auf. Die Band macht zwei Tourneen durch Musikclubs in den USA.

1990
Sup Pop bringt die sechs Songs umfassende EP "Rag and Bone" heraus, bei der Glenn Slater an den Keyboards mitwirkt. Die Band unternimmt eine fünfwöchige Tournee durch die USA udn reist anschließend für zwei Monate nach Europa.

1991
Die Band tritt bei einer dreiwöchigen US-Tournee der Throwing Muses als Vorgruppe auf. Im Herbst kommt das Album "Scavenger" heraus, mit Gasteinlagen von Brian Eno und Natalie Merchant (10. 000 Maniacs). Zusammen mit Uncle Tupelo unternimmt die Band eine dreiwöchige Tour durch Musikclubs in den USA, die große Beachtung findet.

1992
Die Walkabouts touren sehr erfolgreich durch Europa, um ihr Album "Scavenger" zu präsentieren. In den deutschen Independent Charts belegt das Album Platz 6. Im Sommer reist die Band erneut nach Europa. Drummerin Terri Möeller verstärkt die Band.

1993
Sub Pop Europe bringt das Doppelalbum "New West Motel" heraus. Es wird in de Märzausgabe der deutschen Musikzeitschrift Spex zum Album des Monats gewählt. In den Kritiker-Charts der Niederlande ("Moordlist") er reicht es Platz 5. Die Walkabouts entwickeln sich zur gewinnträchtigsten Band von Sub Pop in Europa. Bei einer zwölfwöchigen Europa-Tournee steht unter anderem ein Auftritt bei dem renommierten Roskilde Festival auf dem Programm. Im Juli veröffentlichen Chris und Carla ein akustisches Live-Album mit dem Titel "Shelter for An Evening", im November dann "Satisfied Mind", ein Album mit Cover-Versionen, bei dem zum Beispiel Peter Buck (R.E.M:) und Mark Lanegan (The Screaming Trees) mitwirken. "Satisfied Mind" wird in der französischen Musikzeitschrift "Rock Sound" Album des Monats, und NME führt es in der Dezember-Liste der Top-Veröffentlichungen auf.

1994
Im April erscheint ein weiteres Doppelalbum: "Setting The Woods On Fire". Es ist das dritte Album der Band innerhalb von 14 Monaten. 30 000 Kopien werden verkauft, ein neuer Rekord für Sub Pop Europe. Das Album belegt in den norwegischen Pop-Charts die Nr. 25 und in den griechischen die Nr. 32. In den britischen Indie-Charts erreicht es Platz 11 und in den holländischen Indie-Charts sogar die Pole Position. Es springt in die Top Eighty der belgischen Charts und in die Top Ten der deutschen Indie-Charts. Im Frühjahr unternimmt die Band erneut eine neunwöchigen Europa-Tournee, von Oslo bis nach Athen. Im August kehrt sie nochmals nach Europa zurück, um einen Monat lang bei größeren Festivals aufzutreten.

1995
The Walkabouts leisten Anfang des Jahres mit "Murdering Stone" ihren Beitrag zu dem Alternativ-Sampler "This Is Fort Apache", bei dem u.a. auch Belly, The Lemonheads oder Dinosaur Jr mitwirken. Die Band unterzeichnet einen neuen Vertrag bei Virgin. Im Sommer dann wird das neue Album "Devil's Road" In Connys Studio bei Köln aufgenommen. Produzent ist der Australier Victor Van Vugt (u.a. Nick Cave & The Bad Seeds). In Warschau werden dazu opulent-melancholisches Streicharrangements mit dem dortigen Philharmonieorchester eingespielt, die die herausragende Qualität der Songs krönen. "Devil's Road" erscheint Ende Januar 1996, und wird mit Sicherheit einen neuen Meilenstein in der Geschichte der Walkabouts.


From Wiener Zeitung, by Franceso Campagner

Im Dschungel der Nacht

Die neuen Töne der Walkabouts

Carla und ich singen schon seit Jahren Duette", mokiert sich Chris Eckman, allerdings nicht besonders aufgeregt, "jetzt meinen viele, plötzlich eine Ähnlichkeit mit Nick Cave zu entdecken, nur weil dieser mit Kylie Minogue einen Hit hatte."
So berechtigt sein Einwand ist: manche Übereinstimmungen sind verblüffend. Daß es von beiden Duette gibt, ist dabei jedoch völlig belanglos. Viel auffälliger sind klangliche Gemeinsamkeiten.
Dabei haben sich die Walkabouts sicherlich nicht alleine in Richtung Nick Cave bewegt, sondern dieser ist ihnen unbewußt und unbeabsichtigt auf halbem Weg entgegengekommen. Cave hat sich von seinen wilden, oft beinahe kreischenden und immer vorwärtstreibenden Anfängen in immer ruhigere Gefilde bewegt.
Die Walkabouts wiederum haben sicher schon langsamer gespielt als auf ihrem neuen Album "Nighttown". Trotzdem beweisen sie nach wie vor, daß sie sich mit der Etikette "Wiederentdecker der Langsamkeit" wohl sehr gut anfreunden können.
"Es ist bloß das Tempo, mit dem wir als Band umgehen können, mit dem wir uns wohl fühlen", weist Chris Eckman konzeptionelle Gedanken zurück. Die tragende Stimmung von "Nighttown", eine gewaltige, romantisch-melancholische Düsternis, zeigt eine weitere Nähe zwischen Nick Cave und den Walkabouts.
Insbesondere der Auftakt mit "Follow Me An Angel" tritt in dieser Hinsicht stark hervor. Die Atmosphäre des Songs könnte zweifellos zur musikalischen Unterstützung eines abgründigen Filmkrimis eingesetzt werden. Daß Victor Van Vugt, der Nick Caves Album "The Good Son" produziert hat, auch bei den Walkabouts in Diensten stand, hat den Sound sicherlich mit beeinflußt.
Worüber er in TV und Radio Bericht erstattet, betrachtet er hier vom persönlichen Standpunkt aus:
"Wir haben schon viele dieser dunklen, auf Moll- Akkorden beruhenden Songs geschrieben", fügt Eckman entschärfend hinzu, "die hat nicht Nick Cave gepachtet. Ähnlichkeiten kommen eher davon, daß wir die gleichen Einflüsse haben, zum Beispiel Leonard Cohen. Von den Texten her, und an die denke ich zuerst, sind mehr Parallelen zu ihm zu sehen." Inhaltlich haben sich die Walkabouts sehr verändert. Während sie früher folkrockige Stimmungsberichte vom Leben in der amerikanischen Kleinstadt ablieferten, sind die neuen Songs ausnahmslos in der Nacht der Großstadt angesiedelt.
"Ich habe gemerkt, daß ich etwas ganz anderes machen muß", plaudert Chris Eckman aus der Schreibstube, "weil ich über das Kleinstadtleben nichts Neues mehr erzählen kann." Hätte er dieselben Themen weiter behandelt, wäre das nichts anderes gewesen, als bereits bestehende Songs umzuschreiben. Und dazu hatte er, verständlicherweise, keine Lust.
Da sie die letzten Jahre auf Tour zwischen den Großstädten der Welt verbrachten, lag die Veränderung gewissermaßen auf der Straße. "Daher kenne ich all die Gefühle, die eine Großstadtnacht in sich birgt, zum Beispiel das der romantischen Einsamkeit inmitten des Trubels, oder die Stimmung wenn die Bars schließen." .
Als Musiker ist er schon von Berufs wegen ein Nachtvogel ("Nightbirds" heißt auch ein Song, in dem er sich wiederfindet), die entsprechenden Themen sind ihm wohl leicht zugeflogen. Zum Caféhaus- respektive Barliteraten ist Chris Eckman dadurch nicht geworden. "Ich habe meinen Notizblock immer dabei und schreibe überall, im Hotelzimmer, in Bars, in Zügen, Backstage, im Wohnzimmer, aber ich habe mich oft in Bars herumgetrieben, um die entsprechenden Songs auch schreiben zu können", fügt er hinzu.
"Nighttown" ist durchaus als Konzeptalbum zu betrachten, als eine Untersuchung der Nacht und des Nachtlebens. Chris Eckman bezeichnet es jedoch lieber als Themenalbum: "Konzeptalbum klingt mir zu hart, weil es klingt, als hätten wir krampfhaft alles gesammelt und zusammengepreßt, damit es in eine Box paßt."
Für uns hat sich das gemeinsame Thema aber ganz von selbst ergeben." Wesentlich für das "neue" Auftreten der Walkabouts ist weniger die äußerliche, als die innere Weiterentwicklung der Band. Schon bei ihrem letzten Album "Devils Road" haben sie mit einem Symphonie-Orchester zusammengearbeitet. Das Ergebnis war nett, aber keineswegs überzeugend. Dieses Mal hingegen wirkt das Orchester nicht bloß illustrierend, sondern ist vollständig integriert. "Beim letzten Mal", kritisiert Chris Eckman, "haben wir die Streicher ganz am Ende der Aufnahmen eingespielt. Dadurch konnten wir keine Arrangements mehr ändern. Jetzt haben wir die ersten Aufnahmen nach der Hälfte der Sessions aufgenommen."
Damit die Walkabouts nicht mehr zu einem bestehenden Orchester reisen mußten, wurde das eigene "Nighttown Orchestra" zusammengestellt. "Die Musiker waren immer da, so daß wir auch noch am Ende einzelne Tracks neu einspielen konnten", erläutert Chris den Vorteil, "außerdem haben die jetzt ausgesuchten Mitglieder keine Vorbehalte gegenüber der Rockmusik."
Das Ergebnis ist wirklich überzeugend."


The Walkabouts: Seattle ist nicht Sydney

(excerpt from interview with Chris & Carla in Zillo vol. 6/97)

Kann mir keiner weismachen, daß die Walkabouts nicht heimlich doch Australien sind. Amerikaner machen nicht solche Musik. Damit soll an dieser Stelle nichts disrespektierliches über Amerikaner gesagt sein, im Gegenteil, die machen schon gute Platten. Aber sowas, so eine gewisse Art zäher Außenseiterromantik mit schwarzhumorigen Untertönen, das machen sonst nur Aussies. Nick Cave bis zu einem gewissen Grad. Früher, ganz groß, Crime And The City Solution. Wenn die Walkabouts also behaupten, ehrlich aus Seattle zu sein, dann ist das zwar einer Stadt gegenüber nett gemeint, aber kann man das glauben?

Ist es nicht eigentlich auch ganz egal, woher die Walkabouts nun stammen? Fakt ist, daß "Nighttown", das gerade erschienene neue Album, eine wunderbar gelungene Platte ist (wer das auch nicht glaubt, darf gern sich gern der Meinung vom Kollegen Fuchs-Gamböck anschließen, aber, mit Verlaub gesagt, da hat er schlicht nicht recht), die sogar den schon sehr schönen, richtungsweisenden Vorläufer "Devil's Road", wo die Band ihre Musik erstmals üppig mit Streichern orchestrierte, übertrifft. "Devil's Road" war das Walkabouts-Debüt für ein Major Label, nachdem sie zehn Jahre lang mit Minimalbudget und Minimalaufwand auf Glitterhouse Platten machten. "Devil's Road", bzw. die Single "The Lights Will Stay On", bescherte den Walkabouts sogar so etwas wie einen kleinen Hit und zeigte allen elitären Indies mal wieder, daß ihr Outlaw-Rock gelegentlich sogar mehrheitsfähig ist. Was die Musik der Walkabouts nicht schlechter macht, im Gegenteil.

Chris Eckstein und Carla Torgerson, die beiden Sänger und Eckpfeiler der Walkabouts, haben damit auch kein Problem. Sie freuen sich mit vorsichtigem Erstaunen über solche Ausflüge in bescheidene Kommerzialität, weil sie ihnen kleine Luxushäppchen ermöglicht wie das, was sie sich auf der nächsten Tour gönnen werden: Die Walkabouts gehen nämlich mit einem 12köpfigen Orchester auf die Bühne, um die opulenten Töne von "Nighttown" originalgetreu umsetzen zu können. Carla nickt, räumt aber gleich ein, daß sie damals, als sie neben den Walkabouts noch einen anständigen Job verfolgte, in der einen kostbaren Stunde Freizeit auch keine Lust auf Nachbarschaftspflege hatte. Immerhin ist es noch nicht allzulange her, daß die Band von ihrer Musik leben kann. Carla erzählt wieder von Chris:"Er hat Gitarren verkauft, er war bei einem Botendienst..." Chris nickt ernst- und schalkhaft zugleich:"Ich habe meine Seele verkauft." Kunstpause. Und dann kommt doch der Ami durch: "Für Rock'n'Roll."


Leeson - das elektronische Fanzine, Konstanz, Nr. 4 / April 1996

Ein europäischer Zugang zur Musik

The Walkabouts: Interview mit Chris Eckman



"Wenn du dich zu sehr um Verkaufszahlen kümmerst, dann kümmerst du dich um Dingen, mit denen du als Künstler nicht zuviel zu tun haben solltest." Chris Eckman erzählt vom kompromißlosen Musizieren mit seiner Band The Walkabouts, warum auf der neuen Platte "Devil`s Road" Streicherarrangements zu hören sind und was er sich vom Wechsel der Plattenfirma verspricht.

Von Harald Fette

In der Hochphase des Grungerock kontrastiert plötzlich eine Band die musikalische Palette des damaligen Hip-Labels 'Sub Pop'. Während in Seattle Mudhoney, Nirvana &. Co. für Furore sorgen, spielt eine andere Gruppe in der Stadt ruhigere Klänge ein.

Die Walkabouts finden im Herbst 1983 zusammen. Carla Torgerson (git, voc, cello, kb), Chris Eckman (git, voc) und Grant Eckman (dr) gründen die Band in Seattle. Ein Jahr später stößt Michael Wells (b) hinzu und 1988 erscheint das erste Album "See beautiful rattlesnake gardens". Carla spielt schon als junges Mädchen Cello und zieht als Straßenmusikerin durch Europa, während Chris zu der Zeit noch in einer Fischfabrik arbeitet. Er verbrachte einmal drei Monate damit, das Intro von "Train-kept-a-rollin" auf der Gitarre zu spielen. Danach beschloß er, nur noch selbst Songs zu schreiben.

1989 unterzeichnen die Walkabouts einen Plattenvertrag bei "Sub Pop". Sie veröffentlichen gleich das Album "Cataract", das in der Musikpresse großes Echo findet. Inzwischen ist Glen Slater an Orgel und Tasteninstrumenten in der Band. Sie touren mehrfach durch die USA und Europa, unter anderem als Vorgruppe der "Throwing Muses". Als 1991 die LP "Scavenger" herauskommt, sind Gasteinlagen von Brian Eno und Natalie Merchant (10000 Maniacs) zu hören. Auch folgende Alben klettern vor allem in europäischen Landen in die Independent-Charts. Mit zahlreichen Tourneen erspielen sich die Walkabouts ein treues Stammpublikum. Insbsondere 1993 ist ihre Kreativität in punkto Plattenveröffentlichungen nicht zu bremsen. Chris und Carla veröffentlichen auch ihr erstes akustisches Album als Duo. Und immer wieder sind zahlreiche Größen der US-Szene auf ihren Alben zu hören: Peter Buck (R.E.M.) und Mark Lanegan (Screaming Trees) beispielsweise.

Die Walkabouts sind im Folk und im Independent-Rock zu Hause. Ihre Kompositionen sind von den mehrstimmigen Gesängen, von einfühlsamen Gitarrenriffs und Glen Slaters Örgelchen getragen. Sie musizieren nach wie vor zu fünft, wobei Terri Moeller schon vor vier Jahren Grant Eckman abgelöst hat. Im Jahre 1995 schließlich wechselt die Band, die stetig populärer geworden ist, die Plattenfirma - sie unterzeichnen einen Vertrag bei Virgin. Im Sommer nehmen sie im Studio von Conny Plank in der Nähe von Köln das neue Album "Devil's road" auf, das jüngst erschienen ist. Produziert ist die neue Platte vom Australier Victor van Vugt, der ansonsten mit Nick Cave arbeitet.

Chris Eckman zu dieser Entscheidung: "Wir haben Victor engagiert, weil wir die Platten sehr mögen, an denen er gearbeitet hat - Nick Cave, Robert Foster, deren Platten gehören mit zu meinen Lieblingsplatten. Und wir wollten einen anderen Sound als bisher hineinbringen. Victor ist ein Australier der in London lebt, also einen europäischen Zugang zur Musik hat. Wir wollten uns damit mehr in Richtung nach Europa orientieren. Die Platte ist wie jede andere von uns live eingespielt, bis auf die Streicher. Sie wurde glaube ich durchs Abmischen im Sound etwas anders."

Wobei auf dieser Platte meiner Meinung nach die Streicherarrangements mit den Warschauer Philharmonikern aus dem Rahmen fallen. Schon 1991 waren auf "Scavenger" Streicher zu hören. Und schon 1985, so berichtet Chris, habe Carla regelmäßig das Cello auf die Bühne geschleppt. Animiert auch durch John Cales Album "1919" haben sich die Walkabouts dazu entschieden, für das neue Album gleich mit dem Arrangeuer Mark Nichols zusammenzuarbeiten. Während die Songs in den USA entstanden sind, schrieb er gleichzeitig die Streicher-Arrangements, die dann erst nach den Plattenaufnahmen der Walkabouts in Warschau eingespielt wurden.

Der Charakter der Platte ist damit anders geraten, als die vorherigen Alben, auch wenn dort schon Streicher zu hören waren. Die Songs klingen vulminant und dicht, wirken nicht mehr so spröde wie zuvor. Verärgern die Walkabouts mit solch einer durchproduzierten Scheibe die Fans? Chris Eckman: "Wenn man zuviel an solche Dinge denkt, dann kann man morgens nicht mehr aus dem Bett. Man trägt immer das Risiko, manche Leute vor den Kopf zu stoßen, genauso wie man andere dazugewinnt. Wenn man als Künstler das, was die Leute sagen, als Gradmesser der eigenen Musik nimmt, hat man ein Problem: Man schaltet den eigenen Willen aus. Wenn man sich nach Beliebtheitsumfragen richtet, dann kommt da bald eine Musik raus wie bei Mariah Carey. Wer sich als Künstler frei machen will, muß den eigenen Weg gehen."

Die aktuelle Scheibe "Devil's Road" ist zum ersten Mal nicht in Seattle aufgenommen. Nun verkaufen die Walkabouts nicht nur mehr Tonträger auf dem europäischen Markt als in den USA; wie oben erwähnt sollte auch das Album 'europäischer' klingen, was auch immer das heißen mag. Chris Eckman erzählt, warum es ein Studio in Westdeutschland hatte sein müssen: "Daß wir die neue Platte im Studio von Conny Plank bei Köln hat nichts mit der großen Tradition des Studios zu tun, daß Kraftwerk und Can darin gearbeitet haben. Wir haben es wegen des Ambiente ausgewählt. Es liegt auf dem Land, sehr isoliert und ruhig. Die Studioausrüstung ist sehr alt und wir arbeiten gerne mit den Geräten. Und es hat einen großen Raum, in dem man die Platte live einspielen kann. Und noch etwas war wichtig: es ist weit genug von Seattle entfernt. Wir wollten einmal eine Platte aufnehmen, die nicht nach Seattle klingt."

In den USA haben die Walkabouts ohnehin Probleme mit ihrer Plattenfirma Sub Pop gehabt. Das Glitterhouse/Sub Pop-Team in Beverungen loben sie zwar über den Klee. Aber die Streiterein in den USA haben nun doch dazu geführt, daß sie sich nach einer anderen Plattenfirma umtaten. Welche Erwartungen haben die Walkabouts an die Major-Company Virgin? "Ich habe nie große Erwartungen," meint Chris. "Wenn man sich zu sehr um Verkaufszahlen kümmert, dann kümmerst du dich um Dinge, mit denen du als Künstler nicht zuviel zu tun haben solltest. Wir haben keine Erwartungen an Virgin. Es könnte besser werden, es könnte schlechter werden. Wir leben zwar seit Jahren von Musik, sind professionelle Musiker - aber ich muß meinen Lebensunterhalt nicht mit Musik verdienen. Ich kann auch in den alten Job zurück und Film- und Videoproduktionen betreiben."





The Walkabouts: "Nighttown"

(...ein Feature von
BAYREUTH-ONLINE)
Es ist noch nicht lange her, da ließen sich die Walkabouts bevorzugt auf brüchig geteerten Wegen ablichten, links und rechts Steppe und im Hintergrund endlose Weite. Wohlweißlich, denn die Walkabouts lieferten schließlich stets den besten Soundtrack zu solchen Wildwest-Szenarien. Diesmal aber ist alles anders. Die Fünf pflanzen sich um einen Straßenkreuzer, lungern knautschlederbejackt und zeitunglesend in wildfremden Wartehallen herum und tun Dinge, die Cowboys niemals machen würden - telefonieren zum Beispiel. Und über all dem liegt der schwache Schein von Straßenlaternen oder der unpersönliche von Neonröhren.

Was ist geschehen? Warum bloß haben die Walkabouts den Giant Sand gegen den ewigen Beton in Seattle eingetauscht? Ist das der Einfluß des neuen Bassisten, der sich schlicht Baker nennt? Wir wissen es nicht. Aber wir haben Ohren zu hören und stellen erleichtert fest, daß die Musik noch immer nach Walkabouts klingt. Vielleicht ist der Baß, der sich auf dem Teppichboden lümmelt, ein wenig fülliger als sonst. Möglicherweise ist die ganze Produktion ein wenig perfekter als früher, fulminant geradezu, beeindruckend komplett. So kennt man das allenfalls noch von Nick Cave. Die orchestralen Streichersätze finden ihren Weg in jede Zimmerecke und wieder zurück. Und auch Chris Eckmans Stimme ist so allgegenwärtig, daß man sich erschrocken umdreht, ob er nicht vielleicht auf der Couch sitzt.

Tut er nicht, und wenn doch, säße da ja noch Carla Torgerson neben ihm in all ihrer vertrauten Zerbrechlichkeit, so daß man seinem CD-Player wieder Glauben schenkt: Das sind wirklich die Walkabouts.

Bewertung: 3

Vuz T. sez: "Melodische, noch immer sehr amerikanische Rockmusik. Gewisse Änlichkeit zu R.E.M., nur besser."




The Walkabouts
Devil's Road


Lange genug waren die Walkabouts der ewige Geheimtip aus Seattle: Mit der neuen Songkollektion zwischen Folk und opulentem Breitwand-Pop ist das Quintett endgültig auf dem Sprung aus der Alternative-Ecke.
Zwischen Folk und Breitwand- Pop
Virgin
Pendelten die Walkabouts mit ihren letzten Platten etwas unentschlossen zwischen Country-Einflüssen und kräftigem, R&B-gefärbtem Rock à la Stones, geht Devil´s Road den Weg, mit dem auch Nick Cave und die Tindersticks Charterfolge verbuchen konnte. Elegante Melancholie mit wunderbar fließenden Melodien steht auf dem Programm - als Überraschungserfolg erweist sich die Kooperation mit dem Warschauer Philharmonie-Orchester, das die bislang stets spartanischen Arrangements der Walkabouts um dramatische Akzente erweitert.
Dieter Jurman-Svild




Verpacker großer Gefühle

Über "Devil's Road", die neue Silberscheibe der Walkabouts

Von Heimo Mürzl

Die Walkabouts beherrschen die Kunst, große Gefühle in einen Song zu (ver)packen. Und das schon seit zwölf Jahren. Chris Eckman, Carla Torgerson und die beiden jüngeren Brüder von Chris, Grant und Curt, gründeten 1984 die Band und reüssierten mit ihren gefühlvollen, halbakustischen Balladen zwischen Folk und Country bald in ihrer Heimatstadt, der vermeintlichen Grunge-Metropole Seattle. 1988 unterschrieben die Walkabouts einen Plattenvertrag beim renommierten Sub/Pop-Label, für das sie in den folgenden sechs Jahren ebensoviele Alben einspielten.

Ausgehend von diversen Spielarten der Country-, Folk- und Rockmusik, legten die Walkabouts immer Wert darauf, ihren Balladen und Klageliedern mit warmtönenden Harmonien letztlich einen zuversichtlichen Touch zu verleihen. Mit ihren popmusikalischen Bestandsaufnahmen der Staaten von Amerika abseits des vielbeschworenen Mythos des American Dream erspielte sich die Band - vor allem in Europa - bald eine rasch wachsende Fangemeinde und schaffte 1993 mit dem Doppelalbum "New West Motel" endgültig den Durchbruch. Diesem Erfolgsalbum ließen sie binnen kürzester Zeit "Satisfied Mind" - ein Album mit ausgesuchten Akustik-Coverversionen - und das ungleich forschere "Setting The Woods On Fire" folgen. Chris (Eckman) und Carla (Torgerson) fanden dazwischen noch die Zeit für ein grandioses Live-Album mit dem Titel "Shelter For An Evening".

Nach sechs erfolgreichen Alben für SubPop wechselten die Walkabouts 1995 zu einem Major-Label, und schlossen im zwölften Jahr ihres Bestehens einen Vertrag mit Virgin-Records ab. Ihr Major-Debüt, die vor wenigen Wochen erschienene Silberscheibe "Devil's Road", stellt aber keine Zäsur in ihrem musikalischen Schaffen dar, sondern überzeugt mit den bekannten Walkabouts-Eigenheiten: Weiterhin verzichtet die Band - zugunsten von Wohlklang und klug gesetzten Wechseln zwischen intensiv anschwellenden Songpassagen und verhalteneren Teilen - auf (allzu) große musikalische Gesten und selbstverliebte Instrumentalartistik: Der Song steht im Mittelpunkt. Chris Eckman dazu: "Für uns hat es nie einen Sinn ergeben, daß Songs auf eine bestimmte Stimme oder ein Instrument festgelegt werden. Manchmal mögen es Songs, zu reisen."

Produziert vom Australier Victor Van Vugt - der auch schon mit Nick Cave & The Bad Seeds gearbeitet hat - überzeugt "Devil's Road" mit einer exzellenten Mischung von Songs, die mit ihrem "Cinemascope-Sound" - die opulent-melancholischen Streicherarrangements des Warschauer Philharmonieorchesters tragen wesentlich dazu bei - beeindrucken ("The Light Will Stay On", "All For This", "Christmas Valley", "Forgiveness Song"), und schwermütig-dunklen Balladen, die einem Road Movie gleich, Orte, Menschen und Situationen vorüberziehen lassen ("Rebecca Wild", "The Leaving Kind", "When Fortune Smiles").

"Ich hasse Songs, die wie Essays funktionieren. Wenn ein Song eine Geschichte erzählt, macht das für mich mehr Sinn. In den Songs versuche ich vom Standpunkt einer Person aus, Geschichten zu erzählen und sie möglichst ambivalent zu lassen. Auch deshalb beziehen wir uns auf Folk- und Country-Musik und nähern uns der mündlichen Erzähltradition." (Chris Eckman)

Chris Eckman und Carla Torgerson, die beiden Gallionsfiguren der Gruppe - Glenn Slater (Orgel, Piano und Akkordeon), Michael Wells (Baß), Terri Moeller (Schlagzeug) bilden die übrigen Bandmitglieder - singen aber nicht nur über "dark things happening", sondern dokumentieren in ihren Liedern auch, was in den Weiten Amerikas entlang der vielen Telegrafenmasten so passiert. Besonders eindrucksvoll geraten jene Songs, wo Glenn Slaters Orgel dominiert und sich Chris Eckman mit eindringlicher Stimme dunklen (Seelen)Abgründen annimmt ("The Stopping-Off Place", "Cold Eye", "Blue Head Flame", "Fairground Blues").

Die Walkabouts bilden eine echte Alternative zu den oft lauten (Grunge /Hardcore), mitunter auch nur hohlen (Trip Hop/Techno/Ambient) Posen popmusikalischer Gegenwart. Am 21., 22. und 23. März bieten Konzerte in Salzburg (Arge Nonntal), Wien (Szene) und Linz (Posthof) die Gelegenheit, sich live davon überzeugen zu lassen.

The Walkabouts: "Devil's Road" - Virgin




Melancholische Streicherarrangements

Daß die "Walkabouts" ihr musikalisches Handwerk hervorragend beherrschen, haben sie schon oft bewiesen. Daß sie zudem stilistisch enorm vielseitig sind, zeigt ihr aktuelles Album "Devil's Road".

Auf der in Köln unter der Regie von Victor van Vugt (u.a. Produzent von Nick Cave) aufgenommenen CD lassen sie die unterschiedlichsten Musikstile ineinanderfließen: Rock 'n' Roll, Westcoast-Blues und Country-Music verschmelzen mit opulent-melancholischen Streicherarrangements - eingespielt übrigens mit dem Warschauer Philharmonieorchester. Hier zeigt sich die kompositorische Erfahrung von Mark Nichols, der bereits zu früheren Alben der Gruppe zwei Songs beigesteuert hat. Die "Walkabouts" verstehen es, Emotionen in Klänge umzusetzen - vor allem dank der klaren Stimme von Carla Torgerson, die mit dem melodischen Spiel von Orgel (Glenn Slater) und Gitarre (Chris Eckman) bestens harmoniert. Die sechs Songs, zu denen das Philharmonieorchester seinen Teil beisteuerte, sind dabei die Krönung einer hörenswerten Platte.




from International Stadt Bremen...

The Walkabouts

1984 fanden sich "The Walkabouts" in Seattle zusammen. Gründungsmitglieder waren die Eckman-Brüder Chris, Grant und Curt, die während ihrer College-Zeit in verschiedenen Punk- und Pop-Formationen gespielt hatten, und Carla Torgerson, deren Hintergrund die Folk- und Straßenmusik war. Die Mixtur aus beiden Musikrichtungen macht bis heute den Stil der Band aus.

Die Zusammensetzung der Gruppe wechselte im Laufe der Jahre. Carla (Gesang, akustische und E-Gitarre, Cello) und Chris (Gesang, akustische und E-Gitarre) werden heute von Michael Wells (Bass, Harmonika) und Glenn Slater (Orgel, Piano, Akkordeon) sowie von der Schlagzeugerin Terri Moeller unterstützt. Das neue Album "Devil's Road" wurde vom Australier Victor Van Vugt produziert, zu dessen "Klienten" u. a. Nick Cave zählt. Es enthält sechs Songs, bei denen das Warschauer Philharmonieorchester die Hintergrundmusik lieferte. Neben diesen Streichinstrument-Arrangements sind auf "Devil's Road" auch Einflüsse aus dem Rock'n'Roll, West Coast Blues und aus der Country-Musik zu hören. Der Musikjournalist Everett True ("Melody Maker") schrieb dereinst über "The Walkabouts": "Sie singen über Tote, die Heilungskräfte des Whiskys und die Natur. Über Emotionen, das Leben im allgemeinen, Amerika, die schweren Bürden der Geschichte und darüber, ob die Menschen überhaupt noch Träume wollen..."






Schwermut mit den Walkabouts

"Devil`s Road" heißt das aktuelle Album der Walkabouts. Doch die fünf Vollblutmusiker aus Seattle sind keineswegs auf dem Weg ins Verderben. Seit 1995 unter Vertrag bei Virgin Records - zuvor sechs Jahre bei dem Indie-Label Sub Pop - sind die Walkabouts gerade dabei sich in Europa einen Namen zu machen. Hierzu soll nicht nur "Devil`s Road" sein Übriges tun, sondern auch die im Februar in Angriff genommene Europatour. Bis zum 17. März sind sie noch in Deutschland zu sehen, bevor es dann über die Grenze nach Österreich, Italien, Schweiz und weiter in den Westen des alten Kontinents geht. Produziert von dem Australier Victor Van Vugt, der unter anderem mit Nick Cave zusammenarbeitet, gelang den Walkabouts eine gefühlsgeladene, teilweise bedrückende Collage verschiedenster Stilrichtungen: Rock `n´ Roll, West Coast Blues, Counrty-Musik und Klassik. Bei sechs Songs des neuen Albums hat das Warschauer Philharmonieorchester mit Streicherarrangements geholfen den Bogen von den Ursprüngen amerikanischer Musik zu klassischen Stilelementen zu spannen. Diese klingen ebenso melancholisch, wie es für die Walkabouts seit jeher typisch war. Eine sensible Abstimmung zwischen den Instrumenten, dazu Carla Torgersons oder Chris Eckmans Gesang, machten es möglich, daß kein Teilbereich der Musik der Walkabouts zu dominat wird. "Devil`s Road" ist ausgewogene Musik für ruhige Stunden, die auf ihre schwermütige Art eine nachdenkliche Zufriedenheit vermittelt.




The Walkabouts - Devil's Road
West Coast Blues / Virgin / EMI / 7243 8 41349 21

Um den Sound des nunmehr 9. Albums der US-Band kurz und bündig zu erklären, kann man kaum treffendere Worte finden, als sie in den CD-begleitenden Produktinfos bereits geschrieben stehen: "Ihre Musik kommt aus dem dunklen Herzen Amerikas, dort wo die rauhe Intensität des Punkrock, das glühend heiße Lebensfeuer von Folk & Country und die Leidenschaft klassischer Songwriter-Poesie aufeinandertreffen". Einmal mehr stellt die fünfköpfige Crew aus Seattle mit einem gelungenen Querbeet-Spaziergang durch West Coast-Blues, Folk und Country bis zu klassischem Rock 'n' Roll ihr Fingerspitzengefühl für perfekt arrarangierte und ausgefallen wohlklingende Songs besonderer Güte unter Beweis. Seit über 12 Jahren mischen Carla Torgersen und Chris Eckman als Frontköpfe der Walkabouts schon in der alternativen US-Rockszene des Westens mit und präsentieren sich mit ihrem neuen Werk "Devil's Road" nun erstmals beim Major Virgin Records. Wohl nicht zuletzt wegen finanzieller Rückendeckung durch die neue Company, wurden für insgesamt 6 Tracks des Albums Aufnahmen mit dem weltbekannten Warschauer Philharmonieorchester in Warschau eingespielt. Verantwortlich für die Kompositionen dieser mitreißenden Streichinstrument-Arrangements war einmal mehr Mark Nichols, der schon auf früheren Alben der Walkabouts mitwirkte. Unter Federführung des australischen Mastermind-Produzenten Victor van Vugt (u. a. Nick Cave & The Bad Seeds, Robert Forster, Luna) ging die Band für die Aufnahmen von "Devil's Road" dann in die legendären Conny Plank-Studios bei Köln. (weiter nächste Seite)

Als unüberhörbare Gastmusiker waren Dickon Hinchcliffe (Violine) von den Tindersticks sowie Steel Guitar-Spezialist David Immergluck (John Hiatt, Cracker) mit von der Partie. Elf Songs, elf Treffer. Von der engelsgleichen Opener-Ballade "The Light Will Stay On", bis hin zum ungeschliffen-satten "Fairground Blues" zeigen Torgersen und Eckland einmal mehr, wo die wahren Stärken ihrer Stimmbänder liegen. Ihr neues Werk enthält so ziemlich alles, was Walkabouts-Fans von einer Band erwarten können, die auf dem Gipfel ihrer musikalischen Reife angelangt ist und kaum mehr besser werden kann.

Maikie Maik

© discover 29.03.1996




Chris + Carla -
Life Full Of Holes
Folk-Rock / Sub Pop / EFA


Wer die Walkabouts mag, wird auf diese Scheibe abfahren. Chris Eckman und Carla Torgerson, beide hauptamtlich dort tätig, gehen bereits seit einigen Jahren fremd. Eine Aufnahme dazu gab es allerdings bisher lediglich in limitierter Auflage: das 1993 erschienene Live-Album "Shelter For An Evening". "Life Full Of Holes" ist ein Studioalbum ganz im Sound der Walkabouts. Aber wen wundert's, liest man die Liste der Musiker, die hier mitgewirkt haben: Neben den Tindersticks und Peter Buck (R.E.M.), spielt bei diversen Songs die komplette Besetzung der Hausband mit. Die 14 Stücke sind irgendwo zwischen Folk- und Westernrock einzuordnen; also eigentlich eine Richtung, auf die ich sonst überhaupt nicht abfahre. Aber hier ist eben alles anders. Chris + Carla verstehen es beispiellos mit ihren sanften, oft melancholischen Songs eine Stimmung zu erzeugen, bei der man sich weit weg in eine Landschaft von unendlicher Weite und Einsamkeit wünscht. Traumhaft schön!
Thomas Aulenbacher
© discover 08.03.1996


Back to Articles